Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit

Gleich vorweg: Es gibt keine Branche die per se vom Gründungszuschuss ausgeschlossen ist. Allerdings ist seit Ende 2011 aus einer Muss-Leistung eine Kann-Leistung geworden, das heißt, es liegt im Ermessen des Sachbearbeiters ob der Gründungszuschuss gewährt wird. Damit diese Ermessensentscheidung nach vergleichbaren Kriterien getroffen wird, haben die Arbeitsagenturen feste Kriterien, nach denen abgewogen werden muss. Ein wichtiges Kriterium ist dabei die Vermittelbarkeit in freie Stellen auf dem Arbeitsmarkt – je besser die Jobchancen, desto schlechter die Chance auf den Gründungszuschuss . Und hier scheint auf den ersten Blick eigentlich alles klar zu sein. Friseure z.B. sind auf dem Arbeitsmarkt absolut leicht vermittelbar und hätten deshalb eigentlich auch kaum eine Chance, den Gründungszuschuss zu bekommen.

Das ist aber eben nur der erste Blick. Seit Ende 2012 haben ¾ der von mir begleiteten Salongründer einen Gründungszuschuss erhalten.

Ablauf und grundlegende Voraussetzungen für den Gründungszuschuss
Zunächst ist die grundlegende Voraussetzung für den Gründungszuschuss zu klären. Um den Zuschuss der Arbeitsagentur überhaupt beantragen zu können, müssen Existenzgründer arbeitslos sein und noch einen verbleibenden Restanspruch auf 150 Tage Arbeitslosengeld haben.  Die Existenzgründung muss im Vollerwerb erfolgen und die Arbeitslosigkeit beenden.  Für den Antrag selbst sind dann ein gutes Gründungskonzept, eine Rentabilitätsberechnung, Lebenslauf und Zeugnisse sowie die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle notwendig. Die Erfüllung dieser (Anspruchs-)Voraussetzungen ist relativ leicht möglich und hat bis November 2011 zu einem gesetzlichen Anspruch auf den Gründungszuschuss geführt.

Die wichtigsten Ermessenskriterien im Überblick

Vermittlungsvorang
Aus der eigentlichen Aufgabe der Arbeitsagentur, der Vermittlung, ergibt sich das erste und wichtigste Kriterium für die Ermessensentscheidung, den Vermittlungsvorrang. Der Vermittler prüft, ob es auf dem Arbeitsmarkt freie Stellen gibt, die zu Ihrem Profil passen. Hier haben Sie die erste und wichtigste Hürde zu nehmen. In den allermeisten Regionen wird der Vermittler vermutlich auf genügend freie Stellen für Friseure stoßen. Bereiten Sie sich deshalb gut auf das Gespräch vor. Ein Blick in die Jobbörse verrät Ihnen vor dem Gespräch bereits die erste Reaktion ihres Arbeitsvermittlers. Sind Sie darauf vorbereitet, zeigen Sie damit nicht nur, dass Sie bereits Eigeninitiative entwickelt haben.
Sicher sind Sie mit Ihren Fähigkeiten, Kenntnissen und Einschränkungen nicht für jede freie Stelle geeignet. In meiner Erfahrung haben hier die Argumente Kinder, Alter, Spezialisierung und auch prekäre Beschäftigungsverhältnisse eine Rolle bei positiven Entscheidungen gespielt. Haben Sie bereits Kontakt mit Arbeitgebern aufgenommen, dann sollten Sie auch Ihre negativen Erfahrungen bei der bisherigen Jobsuche erläutern. Sie liefern damit gute Erklärungen, weshalb sich der Stellenmarkt für Ihre persönlichen Umstände und Qualifikationen erheblich kleiner darstellt, als er dies bei der bloßen Suche nach freien Friseurstellen tut.
Sie fragen sich nun, warum der ganze Aufwand mit der Jobsuche notwendig ist? Nur wenn es Ihnen gelingt darzulegen, weshalb die angebotenen Stellen nicht in eine nachhaltige sozialversicherungspflichtige Beschäftigung führen aber die Selbstständigkeit gleichzeitig eine Alternative wäre, können Sie das Kriterium „Vermittlungsvorrang“ für sich entscheiden.

Tragfähige und nachhaltige Selbstständigkeit
Bei Ihren Begründungen gegen die angebotenen Jobs müssen Sie jedoch darauf achten, dass Sie keine Argumente anführen, die gleichzeitig dazu führen würden, dass eine erfolgreiche Selbstständigkeit als Friseurin oder Friseur fraglich erscheint. Es wäre beispielsweise völlig unplausibel wegen Allergien oder Hautkrankheiten aus dem Angestelltenverhältnis zu kündigen und sich dann wieder als Friseur selbstständig machen zu wollen.
Damit Sie den Gründungszuschuss bekommen, müssen Sie noch einen kleinen Spagat vollziehen. Sie müssen einerseits mit Ihrer Rentabilitätsplanung zeigen, dass die Gewinne des Salons ausreichen, um Ihnen eine tragfähige Existenz zu sichern. Andererseits sollte in der Startphase ein gewisser Bedarf an Unterstützung für den privaten Lebensunterhalt erkennbar sein. Denken Sie dabei auch an Mehrkosten für die soziale Absicherung.

Der persönliche Eindruck zählt
Wichtig für Sie zu wissen ist, dass Ihr Arbeitsvermittler die Entscheidung darüber trifft, ob Sie den Gründungszuschuss bekommen. Es sollte auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass Sie sich dem Arbeitsmarkt verschließen und es nur auf den Gründungszuschuss abgesehen haben. Zudem sollte Ihr Arbeitsvermittler keinesfalls Ihre Eignung als Unternehmer anzweifeln. Nicht wahrgenommene Termine, Unzuverlässigkeit oder gering erscheinende Kompetenzen wären keine gute Ausgangssituation.

Ist ein Job oder die Selbstständigkeit für Sie nachhaltiger und erfolgsversprechender?
Die größte Chance auf Förderung besteht, wenn Sie durch die Selbstständigkeit Ihre Arbeitslosigkeit mit größerer Wahrscheinlichkeit dauerhaft beenden als z.B. durch befristete Arbeitsverträge. Diesen Maßstab sollten Sie aber nicht nur wegen der Arbeitsagentur anlegen. Denn was nutzt Ihnen der Gründungszuschuss, wenn Ihr Geschäftsvorhaben nicht trägt und Sie nach einer durch Gründungszuschuss geförderten Startphase eine Bruchlandung mit finanziellen Verlusten hinlegen?

KO-Kriterien
Neben den Ermessensgründen gibt es einige KO-Kriterien, die dazu führen, dass der Gründungszuschuss keinesfalls gewährt wird. Die Wichtigsten sind die Eigenkündigung um sich selbstständig zu machen und eine Kettengründung (in den letzten 24 Monate bereits einmal selbstständig gemacht und Gründungszuschuss erhalten)

Wichtige Tipps am Schluss
Sind die Voraussetzungen für den Gründungszuschuss erfüllt, sind es oft kleine Nuancen, welche die Entscheidung des Sachbearbeiters in die eine oder andere Richtung lenken. Weil der erste Eindruck bleibt, empfehle ich dringend, sich bereits vor dem ersten Arbeitsamt-Termin darüber Gedanken zu machen, wie die Ermessenskriterien wohl bei Ihnen auf den ersten Blick aussehen dürften.
Kennt man nämlich nur Ihren Beruf, Friseur und den Arbeitsmarkt, dann sprechen diese Fakten wohl deutlich für den Vermittlungsvorrang.
Da Menschen – und das sind Arbeitsvermittler nun einmal – sich in der Regel schwerer tun, eine bereits gefasste Meinung abzuändern als sich eine neue Meinung zu bilden, empfehle ich dringend, das erste Gespräch beim Arbeitsamt der Jobsuche zu widmen. Erst nach Darlegung der persönlichen Umstände, die eventuell gegen eine leichte Vermittelbarkeit sprechen, können Sie das Thema Gründungszuschuss angehen. Mit der Türe ins Haus zu fallen, ist hier jedenfalls ein äußerst schlechtes Vorgehen. Erst wenn für den Vermittler klar ist, dass Sie nicht so leicht zu vermitteln sind, wie es vielleicht den Anschein hat, haben Sie eine gute Chance, den Gründungszuschuss zu bekommen. Viel Erfolg!

Hinweis: Als Gewerbetreibender sind Sie in der Regel zukünftig Mitglied einer Kammer (IHK oder HWK). Diese bieten in der Regel betriebswirtschaftliche Beratung Ihrer Mitgliedsunternehmen an. Gerne können Sie sich mit Ihren Fragen aber auch direkt an mich wenden.